Erfahrungsbericht Cooper Discoverer AT3 4s – 10.000 KM
Entscheidungsfindung – Warum dieser?
Wir haben unseren Amarok Canyon noch vor Erstzulassung in 12/2019 auf die Cooper Discoverer AT 3 4s in der Größe 265/65/17 auf die Original VW Aragua Felge umziehen lassen.
Meine Frau war der Meinung, wenn wir uns schon einen Pickup bestellen, müssen auch ordentliche Reifen drauf. Ordentlich hieß: weg mit den originalen Straßensommerpellen.
Unsere Anforderungen an den möglichen neuen Reifen liefen ein wenig auseinander; Ihre waren eher kosmetischer Natur: groß, breit und grobes Profil. Meine betrafen eher so unwichtige Details wie Traglastindex, Geschwindigkeitsindex und vor allem müssen sie Ganzjahrestauglich sein; auf das alljährlich zweifache Rumgewechsel wie zuvor beim SUV hatte ich nämlich keine Lust mehr. Wobei es eher das damit verbundene Geschleppe der Räder auf und vom Dachboden war.
Also fing ich an, viel Zeit zu investieren. Vergleichstests lesen, in Foren rumzustöbern etc.
Schnell war eigentlich nur eins klar. Ein MT wird es nicht werden können. Zu damaligen Zeitpunkt gab es keine MT Reifen mit Ganzjahreskennzeichnung und der Speedindex betrug maximal Q (160 km/h). Noch weniger geht übrigens auch. Zumal ich beim MT immer die Sorge wegen der Rollgeräusche hatte.
Also dann: ein AT sollte es sein. AT´s mit Speedindex T oder höher als Ganzjahresreifen, dazu einer „Restoptik“ eines Offroadreifens (manche sehen eher nach Winterreifen aus) - da wird die Luft schon recht dünn.
Aufgrund der –laut Vergleichstests- ordentlichen Nässe Eigenschaften kam es dann zum AT3 4s. Frau nickte die Optik ab und war ebenfalls zufrieden. Geht doch!
Wobei ich mir den Falken Wildpeak gerne in real angesehen hätte.
Rahmenbedingungen
Unser Amarok ist ein Zweit- und Spaßfahrzeug; will heißen: wird recht wenig gefahren und Kurzstrecken werden gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Äußerst selten wird ernsthaft beladen gefahren, Anhängerbetrieb in den eineinhalb Jahren lediglich einmal.
Das Fahrzeug ist mit einem Automatikgetriebe und permanent Allrad ausgestattet. Nach einigem herumexperimentieren mit dem Luftdruck fahre ich vorne 2,6 bar und hinten 2,4 bar.
Die Reifen sind seit Dezember 2019 durchgehend auf dem Fahrzeug montiert. Die Laufleistung seit dem beträgt bescheidene 9.700 km.
Und so fährt er sich – der Reifen
(i) Schnee und Winter
Im Februar dieses Jahres hat es endlich einmal wieder in der Hannoverschen Tiefebene ordentlich geschneit. Klasse – war das doch die einzige Erfahrung, der mir mit den Coopers und dem Amarok noch fehlte.
Ich also unsere geräumte Einfahrt raus auf die völlig ungeräumte Spielstraße mit über 20 cm Neuschnee: alles problemlos entspannt, kein Durchdrehen bei wettergerechtem Anfahren, Bremstest aus 25km/h überraschte mich: der steht recht fix.
Wir hatten an unserem vorherigen Alltagsauto Vredestein Quadrac Ganzjahresreifen montiert und lange gefahren; die machten einen wirklich guten Job, aber dererlei kurze Bremswege auf Schnee habe ich nicht in Erinnerung bei einem Ganzjahresreifen. Ok, größere Schneemengen sind hier allerdings auch eher Mangelware, vielleicht täuscht die Erinnerung auch nur.
Raus aus dem Dorf und auf die Landstraße rauf – festgefahrene Schneedecke. War nichts los, also einfach mal angehalten und Beschleunigungstest auf 60 km/h, unter Berücksichtigung der Straßenverhältnisse natürlich – also nix mit Gas runter und schauen was passiert. Genau soviel das Grip vorhanden zu sein scheint und dann sehen wie es vorwärts geht. Und genau das tut es; souveräne Beschleunigung ohne irgendwie das Gefühl eines Rittes auf der Kanonenkugel zu vermitteln oder auf rohen Eiern rumzutanzen.
Beim Bremstest aus 60km/h auf 0 auf der festgefahrenen Schneedecke: ebenfalls alles im grünen Bereich. Kein Rutschen bis ins nächste Dorf hinein :cool:
Fazit: wenn man es nicht vorsätzlich übertreibt oder die Wetterverhältnisse völlig ignoriert: sehr brauchbare Ergebnisse – deutlich besser als zu erwarten war. Das Fahren der AT3 4s auf Neuschnee oder festgefahrener Schneedecke löst keinen Angstschweiß aus und ist jederzeit kontrollierbar.
Ich bin allerdings so fair darauf hinzuweisen, dass sich dies auf das Nutzungsprofil meines Amarok bezieht! Jemand der nur das eine Fahrzeug hat und Tag und Nacht und bei jedem Wetter los muss, oder gar in Bayern oder Österreich wohnt, kommt mit Winterreifen wahrscheinlich noch besser bei solchen Bedingungen zurecht.
(ii) Kalt und Feucht
Vielleicht ein kleines Erlebnis hierzu:
Anfang Januar 2020 bin ich ausnahmsweise mit dem Amarok morgens im Dunkeln nach Hannover zur Arbeit gefahren. Straße war ordentlich feucht, Temperatur niedrige einstellige Plus Grade.
In Hannover auf einer in meiner Richtung zweispurigen, schlecht ausgeleuchteten Straße liegt da ein Tannenbaum quer auf der Straße. Ich also voll in die Eisen – denke mir: wird nicht reichen, war bissle schneller als 50. Also Ausweichmanöver starten auf die linke Spur. Dumm nur das kurz danach die zweite Spur endete und eine Verkehrsinsel die Position übernahm. Also sofort nach links gleich wieder nach rechts gelenkt. Ich habe mit allem möglichen gerechnet, entweder den Baum doch noch zu erwischen weil das Fahrzeug untersteuert oder beim rechts rumlenken dann das Heck ausbricht und ich dann möglicherweise quer oder mit dem Heck über die Verkehrsinsel.
Aber: nichts! Jeder Lenkbefehl präzise umgesetzt, kein Rutschen, kein Ausbrechen.
Dürfte klar sein: seit dem Erlebnis haben die Reifen bei mir den besagten Stein im Brett.
(iii) Heiß und trocken
Nunja, was kann man über einen AT Reifen im Sommer schreiben? Fällt mir nicht so wirklich etwas sinnvolles ein.
Ich habe den Eindruck, dass der AT3 4s bei hohen Temperaturen eine Nuance lauter wird. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein.
(iv) Offroad
Ich oute mich (uns): ja, wir fahren Offroad – buuuhh pfui, wie kann man nur mit dem neuen Fahrzeug.
Oder besser – wollten eigentlich: danke, Wuhan!
Letztes Jahr war eine geführte Einsteigertour zu unseren ausländischen östlichen Nachbarn angedacht, im Herbst vielleicht noch Belgien. Zur Vorbereitung dessen, zum Auslooten der eigenen Fähigkeiten aber auch insbesondere des Amaroks war angedacht, einige Offroad Parks anzufahren.
Learning by doing.
Im März haben wir an einem Training im Offroad Park Südheide teilgenommen. Nunja, das war als Erstkontakt zwar recht spaßig aber seicht. Kann man nicht anders sagen.
AT oder gar MT Reifen waren hier definitiv nicht notwendig. Mein wichtigstes Fazit aus dem Tag war eigentlich: für den nächsten Besuch eines Parks baue ich den Frontbügel ab …..
Jo, dann kam der Lockdown. Passend zu meinem Geburtstag gab´s später die Lockdown Pause und wir flux zum Mammutpark, mit Termin für einen Instruktor – für mich ein muss bei unbekannten Strecken (falls man seinen Amarok mag ..)
Also der Park ist eine ganz andere Hausnummer! Dazu kam: am Vortag und noch Morgens an unserem Termin hat es massiv geregnet. Wir waren sogar am überlegen, den Termin abzusagen bzw. zu verschieben deswegen. Mal gut das wir hingefahren sind: Mittags schien die Sonne wieder.
Zum Park selber nur kurz: hier wird eine Streckenkarte ausgehändigt.
Es wird unterschieden zwischen Leicht – schwer – extrem. Wobei laut Instruktor „schwer“ eigentlich zusätzlich unterschieden werden müsste, da hier durchaus auch schon sehr schwere Abschnitte dabei sind. Der Instruktor hat sich unseren Amarok genau angesehen und seiner Auffassung nach wäre man durch alle Varianten von „schwer“ durchgekommen, hat aber zwei Abschnitte aufgrund unserer mangelnden Erfahrung ausgeklammert – das Risiko von Beschädigungen am Fahrzeug wäre zu hoch gewesen.
Kurzum: egal ob steinige Steigungen, teils mit Baumwurzeln, an denen noch dicke Rinnsale Regenwasser runterliefen, fies flutschiger Lehmboden der das Profil völlig zusetzt oder Schlamm: Wir sind überall durchgekommen, nirgendwo stecken geblieben oder großartig ins Rutschen gekommen und bis auf die zwei Streckenabschnitte auch die schweren Abschnitte gefahren.
Auch hier haben die AT3 4s einen richtig ordentlichen Job gemacht.
PS: Essen kann man dort ebenfalls richtig gut, die Gegend ist wunderschön und man kann fantastische Ausblicke in die Ferne genießen.
(v) (Mehr-) Verbrauch
Kann ich mangels Vergleichsmöglichkeit nicht viel zu sagen. Mein alltime Durchschnittsverbrauch liegt aktuell bei 8,8x Liter. Da ist aber alles mit drin: Sommer, Winter, Autobahn und auch Offroad. Unbeladen, aber auch mit 650KG Zuladung auf der Pritsche.
Niedrigster Wert: 6,5 Liter auf 100 KM. Waren Mitte Mai das Motorrad meiner Frau 150 KM entfernt abholen, Wetter war besch...en und sie ist mir voraus hinter einem Wohnwagengespann wegen Windschatten gefahren. Das wird über die Entfernung dermaßen langweilig, da fängst an, mit einem Taschentuch den Staub im Auto zu wischen …
(vi) Rollgeräusch
Für einen AT – sehr gering. Kein Singen, kein Brummen. Ich würde fast meinen Allerwertesten darauf verwetten, dass die Winterreifen unseres Alltagsfahrzeugs (Semperit, fünf Jahre alt, 205/55/16) lauter sind.
Wie weiter oben schon erwähnt: Möglicherweise im Sommer bei sehr hohen Temperaturen eine Nuance lauter als normalerweise.
(vii) The Need for Speed
Zum Fahrverhalten bei höheren Geschwindigkeiten – naja. Müsste man vielleicht erstmal definieren was eine höhere Geschwindigkeit sein soll.
Ich für meinen Teil habe den Amarok bisher nie ausgefahren. Fürs wirkliche Schnellfahren eh das völlig falsche Auto.
Bei flotter Reisegeschwindigkeit von Tacho 150-180 jedenfalls liegen die Reifen satt auf der Straße, von schwammig keine Spur, das Fahrzeug lässt sich zielgenau dirigieren und beim geradeausfahren sind keine radbasierenden Pendel - Korrekturen notwendig. Fühle mich ein wenig an die alte Opel Omega Werbung erinnert – Fahren wie auf Schienen.
(viii) Verschleiß
Nach knapp 10tkm - nichts feststellbar. Wird mich allerdings sowieso nicht betreffen, da ich bei der niedrigen Fahrleistung die Reifen altersbedingt alle fünf bis sechs Jahre erneuern werde. So viel Sicherheit muss sein.
Fazit:
Schon klar - die besagte eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Da bin ich bei Euch, keine Frage.
Für mich bezogen auf das Nutzungsprofil unseres Amaroks sind die Cooper Discoverer AT3 4s allerdings ziemlich nah dran!
Habe ich einen wichtigen oder interessanten Punkt vergessen? Laßt es mich wissen.
Bis dann
Sascha